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Zusammenkommen, Austausch, Mut machen: Auf zum Umweltfestival

Es ist fast schon eine Berliner Institution, das jährlich 40.000 bis 60.000 Menschen besuchen: Das Umweltfestival der Grünen Liga Berlin findet am 07.06.2026 schon zum 31. Mal statt. Und wie immer mit einer großen Motivation, den unterschiedlichsten Initiativen – und kaum Ressourcen. Und wer könnte dieses verbindende Großevent besser planen, organisieren und umsetzen als Sanni Dittmar. Sie hat Landwirtschaft studiert, auf einem Ziegenhof gearbeitet und 16 Jahre lang Käse verkauft, unter anderem auf Märkten. Sanni sagt: Das, was Marktgeschehen genau wie das Umweltfestival ausmacht, ist der Austausch. Wir treffen sie auf dem Kiezmarkt der Grünen Liga Berlin in Berlin-Prenzlauer Berg, um über das anstehende 31. Umweltfestival am 07.06.2026 am Brandenburger Tor zu sprechen – aber auch über Gemeinschaft und den Boden, auf dem wir stehen.

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Was macht das Arbeiten auf einem Markt wie hier, aber auch dem Umweltfestival für dich aus?

Es macht mir einfach Spaß. Ich finde es schön, wie sich hier die unterschiedlichsten Menschen begegnen. Der Austausch untereinander wird erstmal geeint von dem Produkt – in meinem Fall Käse – aber auch Brot, Kaffee und so weiter. Es geht ums Genießen und man begegnet sich untereinander auf einer ganz anderen Ebene, als man es sonst im Alltag tun würde. Es war immer ein schnelles, persönliches, nahbares Zusammenkommen. Ich glaube, dass das gerade in Berlin sehr notwendig ist, weil man sich in dieser Stadt auch einfach sehr verlieren kann. Man braucht Orte, an denen man das Gefühl hat, man ist Zuhause und kann dort jede Woche die gleichen Leute treffen.

Ist dieser entschleunigte Kontext, in dem Bio-Produkte angeboten werden, auch wenig etwas Schickes, Elitäres?

Der Kiezmarkt am Kollwitzplatz hat einen anderen Hintergrund. Er ist vor rund 30 Jahren entstanden, damit Bio-Landwirt:innen aus Brandenburg hier direkt in der Stadt selbst ihre Produkte anbieten, ihre Arbeit direkt an die Leute bringen können. Vor 30 Jahren war das ein ganz anderer Kiez, ein ganz anderer Kontext. Aber natürlich sind wir in Berlin, Berlin verändert sich immer. Natürlich sind viele Veränderungen der Stadt auch kritisch zu sehen, aber mit der Grünen Liga achten wir hier auch darauf, dass es Stände mit ganz unterschiedlichen Produkten und Preisen gibt, die niemanden ausschließen.

Ist es auf dem Umweltfestival ähnlich?

Uns ist dort besonders ein solidarisches Gebührenkonzept wichtig. Wir möchten, dass dort Eine-Frau-Projekte, die ihre Leidenschaft ehrenamtlich neben einem Vollzeitjob ausüben, den gleichen Raum haben wie größere und geförderte Initiativen. Auf dem Umweltfestival haben wir sicher 200 bis 250 Stände, ihre Vielfalt ist uns ein großes Anliegen. Es gibt dort Marktbuden wie auf dem Kiezmarkt und größere Stände, die an Messestände erinnern. Aber die Größe des Festivals sorgt natürlich für ganz andere Rahmenbedingungen. Wir unterliegen ziemlich vielen Auflagen: Wir müssen das Gelände umzäunen, wir haben einen Sicherheitsdienst, Überfahrsperren. Das ist ziemlich teuer und deshalb eine große Herausforderung – insbesondere für uns als unkommerzielle Veranstaltung. Das Festival kostet keinen Eintritt und die Standgebühren sind solidarisch. Darüber können wir die Auflagen teilfinanzieren, aber natürlich nicht alles. Den Rest decken wir über Förderungen und Sponsoring ab. Aber selbstverständlich machen wir damit kein Plus.

Was ist eure Motivation hinter dem Festival, wenn es finanziell eine Herausforderung ist und kein Gewinn?

Das fragt man sich in unseren Arbeitsbereichen ja häufig. Wir finden es einfach wichtig. Für manche Ideen muss man einfach sehr idealistisch sein und selbst einen so großen Sinn und Mehrwert sehen, dass man sich für etwas einsetzt. Und gleichzeitig bekommen wir immer auch ein total tolles Feedback von den Leuten. Es ist in diesen Zeiten enorm wichtig, Orte zu schaffen, an denen man sich realistisch, aber mit einem positiven Ansatz drängenden Themen widmet. Umwelt-, Natur- und Klimaschutz rücken in der Aufmerksamkeit immer weiter nach hinten, weil die Dringlichkeit als nicht so hoch empfunden wird. Obwohl die Fragen drängender denn je sind. Dem geben wir dort eine Bühne und bieten auf verschiedensten Ebenen Lösungsansätze an – im Kleinen wie im Großen.

Was umfasst denn das Angebot auf dem Umweltfestival?

Unter anderem Umweltbildung für die Kleinsten, damit sie lernen, wo Lebensmittel herkommen, Energieberatung für Interessierte, aber auch Engagement- und Vernetzungsmöglichkeiten für diejenigen, die sich (politisch) engagieren möchten. Und die Essenz sind eben analoge Austauschräume für Gleichgesinnte – das ist ja auch dann besonders wichtig, wenn man denkt, dass man allein oder gegen Windmühlen kämpft. Es ist so wichtig, Banden zu bilden, sich zu solidarisieren und an Visionen zu arbeiten. Vor Ort sind Alte Hasen, die seit Jahrzehnten Naturschutz in ihren Kiezen betreiben genau wie viele junge Leute, die tolle Ideen haben. Es macht Mut und Lust, wenn man sieht, dass es Leute gibt, die dranbleiben, die sich nicht unterkriegen lassen.

Das ist schön gesagt. Siehst du – über die Jahre hinweg – einen Unterschied darin, wie das Festival angenommen und rezipiert wird?

Etwas, das uns schon lange begleitet, ist die fehlende Unterstützung Berlins, zum Beispiel bei den Sicherheitsauflagen. Das war und ist immer so gewesen – und das, obwohl das Festival nun schon in die 31. Runde geht. Vor Ort sind es natürlich immer mal mehr, mal weniger Leute. Aber was immer gleich ist, ist die totale Lust der Besuchenden und Mitmachenden. Da frage ich mich schon manchmal, ob die medial und politisch fehlende Priorisierung von Naturschutz- und Klimathemen nicht eine Fehlannahme ist. Vor Ort ist eine Stimmung dann konstruktiv und nimmt Angst vor den „großen“ Themen wie Klima und Co.

Und seitens der Ausstellenden und Händler:innen?

Auch da ist es unterschiedlich, aber im Großen und Ganzen nehmen sie das Umweltfestival selbst immer sehr positiv wahr. In ihrem Alltag merken sie am ehesten über ausbleibende oder gestrichene Gelder, dass das gesellschaftspolitische Klima an Punkten, die sie berühren, nicht das Beste ist. Aber auf dem Festival spielt das gar keine große Rolle. Weil es einfach wirklich als Ort des Zusammenkommens und des Austauschs empfunden wird. Aber natürlich – und das betrifft dann wieder primär die Besuchenden – erreichen wir schon hauptsächlich eine Bubble, die eben bereits am Naturschutz interessiert ist.

Mit dem Standort Brandenburger Tor wirkt ihr dem doch aber gut entgegen, oder?

Ja, es gibt dort sehr viel Laufkundschaft. Auch deshalb, weil es ja keinen Eintritt kostet. So erreichen wir viele Leute, die eben zufällig vor Ort sind. Und wir haben ja auch kommerzielle Sponsoren, die uns natürlich auch nochmal dabei helfen, andere Gruppen zu erreichen. Wir leben in Zeiten, in denen wir gar keine große Wahl mehr haben und vielleicht auch untypische Allianzen schmieden müssen.

Sanni erklärt das Motto „Boden – du stehst drauf“ des Umweltfestivals: „Der Boden ist ein natürlicher Klimaschützer, er bindet CO2. Er ist Grundvoraussetzung für Landwirtschaft. Er ist wichtig im Kontext der Frage von Versiegelung vs. einer klimaresilienten Stadt. Der Boden dient als Wasserspeicher- und schützer; Er ist Archivar und Zeuge der Geschichte. Er erdet und steht für Herkunft, für Ursprung und Ende.“

31 Jahre Umweltfestival: Eine starke Leistung.

Ja. Und viele unserer Partnerschaften bestehen schon genauso lange, diese gemeinsame Arbeit an einem Ziel ist eine schöne Beobachtung. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club, ADFC, macht zum Beispiel immer eine Sternfahrt in Berlin, die dann jedes Jahr auf dem Umweltfestival endet. Dieses Jahr machen sie die Sternfahrt zum 50. Mal – und seit es das Umweltfestival gibt, haben wir diese gemeinsame Kooperation. Ansonsten lerne ich natürlich jedes Jahr, in dem ich dabei bin, mehr aus dem vorhergegangenen, um das Festival nochmal besser zu gestalten.

Wir freuen uns auf das 31. Umweltfestival der Grünen Liga Berlin und sind ganztägig vor Ort.

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