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Es ist soweit: Runde zwei unseres Open Calls für für mehr Vielfalt im Medienbetrieb

Zwei unserer wichtigsten Grundsätze prägen unser Magazin: Erstens, Arbeit muss bezahlt werden. Zweitens, Journalismus braucht bessere Zugänge – ohne elitäre und ausbeuterische Praktikumsstrukturen. Schwierige Sache, diese beiden Prinzipien zusammenzubringen. Umso dankbarer sind wir für die Förderung von filia – die Frauenstiftung. In diesem Jahr können wir mit der Unterstützung von Filia eine zweistellige Anzahl an Artikeln (bevorzugt bei gleicher Eignung) von FLINTA*-Autor:innen veröffentlichen. Förderungen wie die von Filia gibt’s viel zu selten – dabei können sie grundlegend etwas verändern. Bitte lest euch alles sorgfältig durch: Die Rahmenbedingungen, unsere Intentionen und das FAQ am Ende des Textes.

Weshalb Förderungen wie diese einen großen Einfluss auf den Medienbetrieb haben können:

  • Sie können den Zugang zum Medienbetrieb demokratisieren. Denn während man andernorts dicke Portfolios, hunderte (unbezahlte) Erfahrungen oder viele Kontakte vorweisen muss, geht’s hier ausschließlich ums Thema. So können endlich neue Stimmen gehört werden.
  • Themenoffene Calls setzen dem höher-schneller-weiter des Empörungs-Social-Media-Journalismus etwas entgegen. Sie geben Leuten die Möglichkeit, abseits des besonders Klickbaren zu publizieren, sondern geben Raum für das, was junge Autor:innen beschäftigt.
  • Jede:r sollte die Chance haben, die eigene Expertise, Recherche und Arbeit hörbar machen zu können. Viele (mehrfach marginalisierte) FLINTA* haben das nicht. Vielfältige Berichterstattung sichert demokratische Resilienz.

Damit das zutrifft, möchten wir gemeinsam mit filia insbesondere unterbetrachtete Perspektiven stärken. Der Open Call richtet sich an eine breite Öffentlichkeit und steht grundsätzlich allen Personen offen. Im Rahmen der kuratorischen Ausrichtung möchten wir gezielt FLINTA*-Perspektiven sichtbar machen und stärken. Wir ermutigen daher insbesondere FLINTA*-Personen zur Einreichung und freuen uns ausdrücklich über Beiträge, die diese Perspektiven einbringen oder reflektieren. Wir freuen uns deshalb besonders über Einsendungen von FLINTA*, die aufgrund mehrfacher Diskriminierung, zum Beispiel durch Klassismus, Rassismus, Ableismus, Queerfeindlichkeit oder Migrations- und Fluchterfahrungen kaum Chancen haben, im elitären (foto-)journalistischen Betrieb Fuß zu fassen, die Möglichkeit zur Publikation bei uns geben. Besonders freuen wir uns über eure Einsendungen, wenn ihr einen Bezug zum ländlichen ostdeutschen Raum habt. Eine Identifikation mit dem Begriff FLINTA* ist keine Voraussetzung für die Teilnahme.

Grundsätzliches: Thema und Rahmen

  • Unser Open Call richtet sich nach Nach AGG (§§ 7, 11) an alle angehenden (Foto-)Redakteur:innen; wir freuen uns aber gezielt über Beiträge von FLINTA*, die aufgrund unserer gesellschaftlichen Verhältnisse Mehrfachmarginalisierungen erfahren. Während es eine wachsende Zahl an Initiativen zur Publikation gibt, sind diese selten vergütet. Dem möchten wir so etwas entgegensetzen.
  • Thematisch möchten wir keine Einschränkungen machen. Unsere Texte und Fotostrecken bei Reversed sind in der Regel politisch, konstruktiv und individuell bebildert. Wir freuen uns, wenn eure Einreichungen zu unserem Stil passen. Ansonsten möchten wir, dass ihr die Texte einreichen könnt, die euch beschäftigen, zu denen ihr eine Expertise habt oder auf die ihr einfach Bock habt. Dabei ist uns wichtig, dass ihr über eure eigene Erfahrung schreiben könnt, aber nicht müsst. Ihr könnt zu den Themen arbeiten, die euch interessieren, auch über über eigene Biografie hinaus.
  • Wichtig ist, dass es journalistische Formate sind (Recherchen, Interviews, Reportagen oä). Will sagen: Künstlerische Projekte, die mit Verfremdung arbeiten, ausschließlich autobiografisch sind oder in einer Prosa-Form geschrieben sind, erfüllen nicht immer journalistische Standards. Solche Inhalte können wir nicht berücksichtigen. Lasst euch zu Formaten und Inhalten gern auf unserer Seite inspirieren oder fragt nach.
  • Wir suchen vielfältige Stimmen, darunter auch und insbesondere von jenen, die erschwerte Zugänge zum klassischen und häufig elitären publizistischen Betrieb haben. Von denen, die es sich nicht leisten können, un- oder unbezahlte Praktika anzutreten, sondern auf eine Vergütung angewiesen sind. Die Strukturen im Journalismus machen es vielen Leuten schwer zu publizieren. Und dass das ein Problem ist, sehen wir an er derzeitigen Berichterstattung mehr denn je.
  • In diesem zweiten Open Call in dieser Kooperation suchen wir ungefähr zehn Beiträge.

Ob zu demokratischem Widerstand in Georgien, Mode und Klima, Gesundheit und Kunst oder humanitärer Hilfe: Wir machen keine inhaltlichen Vorgaben.

Der erste Beitrag unseres ersten Calls: Europas Vergangenheit – und Zukunft

Das ist der Ablauf unseres Open Calls:

  • Schickt uns gern eure Artikelvorschläge bis zum 25.06.2026 (Thema, Format usw.) an hey@reversed-magazine.com oder leitet diesen Post an angehende (Foto-)Journalist:innen weiter, die gute Ideen haben und einen Ort zum Publizieren suchen. Wenn ihr noch nie einen Artikel gepitcht habt, geben wir euch gern Feedback. Ihr könnt euch auch vor eurem Pitch jederzeit mit Fragen melden.
  • Wir freuen uns über starkes Bildmaterial, das euren Artikel begleitet. Das ist aber kein Muss. Bitte schreibt uns, ob ihr ausschließlich einen Text für uns habt, ausschließlich Bilder, beides, oder ob ihr euch mit wem anders zusammentut, um beides zu ermöglichen. Es ist kein Nachteil, wenn ihr „nur“ eins einreicht.
  • Wenn ihr bereits publiziert habt (nicht nur journalistisch), freuen wir uns über Links/Anhänge zu eurer Arbeit. Wenn nicht: Auch kein Problem. Dann freuen wir uns über ein paar kurze Sätze zu euch oder weshalb das Thema, das ihr vorschlagt, euch interessiert und wichtig ist.
  • Wir fragen eure Biografie nicht ab, ihr müsst uns nichts über euch preisgeben, was ihr nicht mitteilen möchtet. Nach AGG (§§ 7, 11) freuen wir uns über alle Einsendungen, behalten uns aber vor, marginalisierte Perspektiven zu priorisieren.
  • Wir begleiten eure Arbeit und den Prozess redaktionell sehr eng, wenn eure Idee angenommen ist. Wir geben Tipps, Hinweise, briefen euch und setzen uns (virtuell) zusammen. Ihr könnt euch über uns untereinander vernetzen.
  • Wir möchten kein Konkurrenzumfeld schaffen: Wenn wir eure Idee in dem Projekt nicht umsetzen können, geben wir euch trotzdem Tipps, versuchen euch an andere Kontakte weiterzuleiten oder bieten euch an, in Kontakt zu bleiben, damit wir euch vielleicht eine mögliche Publikation zu einem anderen Zeitpunkt anbieten können.

Organisatorische Hinweise:

  • Die Artikel sind im Regelfall mit 300 brutto Euro (also inkl. aller Steuern und Abgaben) vergütet. Während wir uns gegen unbezahlte Praktikumsstrukturen stellen, sind wir trotzdem eine unabhängige Indie-Redaktion, in der das Kernteam ehrenamtlich arbeitet. Wir sind dankbar über die Förderung für die Artikel, aber die Honorarhöhe ist natürlich trotzdem begrenzt. Wir haben uns an den Berechnungen von Freischreiber orientiert. Wir möchten euch ermutigen, Beiträge einzureichen, die dem vom Umfang entsprechen.
  • Wichtig ist, dass ihr freiberuflich gemeldet seid/Rechnungen schreiben könnt. Eure Rechnungen müssen im Laufe des Jahres 2026 bei uns eingehen. Bitte gebt in eurer Mail an, ob beides zutrifft.

FAQ

Mit welchem Text soll ich mich bewerben?

Wir meinen es, wie wir es sagen: Wir machen euch keine thematischen Einschränkungen. Aber natürlich haben es einige Texte schwerer als andere. Aus Erfahrung können wir sagen: Wir bekommen sehr viele Pitches zu Fragen nach mentaler Gesundheit und Frauengesundheit; wir bekommen sehr viele Pitches und Vorschläge zu Queerness, Migration, Gesellschaft und Identität. All diese Themen sind enorm wichtig, können aus vielen diversen Richtungen betrachtet werden und wir freuen uns, über eure Perspektive auf diese Themen zu lesen. Da wir aber auch auf eine ausgewogene Themenvielfalt achten, kann es allerdings sein, dass es hier viel „Konkurrenz“ gibt. Im Rückschluss bedeutet das, dass wir zu bestimmten Themen weniger Einreichungen erhalten: Wirtschaft, Klima, Biodiversität, Lokales, Außenpolitisches, Wissenschaftliches – alles, was weniger unmittelbar biografisch ist.

Worauf achtet ihr, wenn es viele ähnliche Themeneinreichungen gibt?

Bei vielen Einreichungen zu ähnlichen Themen achten wir auf die angestrebte redaktionelle Ausgestaltung. Wir verstehen, dass es leichter ist, zu Themen zu arbeiten, zu denen man einen persönlichen Bezug hat. Allerdings sollten journalistische Prinzipien dennoch gewahrt werden: über euch selbst als Protagonist:in zu schreiben reicht meist nicht. Persönliche Erfahrungsberichte und Essays sind wichtig und sollten einen Platz im Diskurs haben, aber wir suchen redaktionelle Texte. Wenn ihr euch unsicher über die Ausgestaltung seid, recherchiert gern nach journalistischen Formaten oder fragt uns dazu, bevor ihr etwas einreicht.

Was sind journalistische Texte?

Journalistische Texte – auch Kommentare und Reportagen – sollten wahrheitsgemäß berichten. Heißt konkret: Recherche, Stimmen (und Gegenstimmen), Fakten und Meinung sollten klar formuliert und erkennbar sein. Künstlerische Verfremdungen sind eher die Ausnahme. Wenn ihr nicht sicher seid, ob ihr journalistisch, essayistisch, künstlerisch oder autobiografisch arbeiten wollt, würden wir euch raten, nochmal zu recherchieren, bevor ihr etwas einreicht. Formate, die nicht primär journalistisch sind, können wir nicht berücksichtigen.

Ich habe den Text auf meinem Blog bereits veröffentlicht. Ist das ein Problem?

Das kommt darauf an. Prinzipiell möchten wir euch die Möglichkeit geben, bezahlt an einem Thema zu arbeiten, das euch beschäftigt. Texte oder Fotostrecken, die bereits von anderen Medien publiziert und bezahlt (oder sogar beauftragt) wurden, können wir nicht berücksichtigen. Calls wie diesen hier gibt es selten und wir möchten die Ressourcen für neue und originale Inhalte zur Verfügung stellen. Wenn ihr Inhalte privat publiziert habt und sie nicht lektoriert wurden, schließen wir die Publikation nicht pauschal aus. Hier würden wir im Einzelfall entscheiden. Viele Medien wünschen sich, wenn sie für Inhalte bezahlen, prinzipiell die „Erstveröffentlichung“. Dies sichert einen redaktionellen Mehrwert. Wir sind nicht ganz so streng, freuen uns aber über Texte oder Bildstrecken, die für den Call entstehen.

Aus dem vergangenen Call ist erst ein Beitrag online. In welchen Themenfeldern bewegen sich die anderen Beiträge, die bald publiziert werden?

Die Einreichungen bewegen sich in folgenden Kontexten: Gesundheitssystem und Long-Covid; Jugendliche Perspektiven auf die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern; Jugendbeteiligung gegen Rechts in Sachsen; Biografien und Identität sogenannter „Gastarbeiter:innen“ in Ostdeutschland; Konferenz für Entwicklungsfinanzierung und Förderung von Frauen; Klassismus und Queerfeindlichkeit im universitären und Kulturbetrieb; ein Pferdehof in Brandenburg und ein Porträt eines Arbeiters vor Ort; Stimmen von Iranerinnen zum Krieg und der bereits veröffentlichte Text zu Geschichte und Perspektive europäischer Identität.

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